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Dienstag, 27. August 2019

Viermal Seife aus dem Schlössle

Ich habe mich entschieden. Upflamör - so schön der Name auch ist - muss gehen. Wir sieden schon seit Jahren in einem evangelischen Freizeitheim namens "Schlössle", der Name ist doch auch schön, und es liegt Luftlinie nur 20 Kilometerchen von Upflamör entfernt. Also weg mit Upflamör, hinfort mit dem alten Namen - willkommen Schlössle, wo die Welt so weit weg ist, dass die Handyverbindungen abstürzen, bevor sie den nächsten Mobilfunkmasten erreichen und die Nächte so dunkel sind, dass man sogar die Monde der Planeten der Sterne der Milchstraße sieht, also fast, wenigstens einen, manchmal.
Und fort muss auch meine alte Gewohnheit, die Upflamör- jetzt Schlössleseifen in meine private Seifenzählung zu integrieren. Mich stört das Büschel fremder Federn, das mir über die Jahre aus dem Kopf gesprossen ist, beim Kämmen, beim Haareschneiden und auch beim Basteln hängt es mir über die Augen. Schließlich mache ich im Upflaschlössle nichts anderes als Rezepte nachzuarbeiten, die andere Seifensieder im Schweiße ihres Angesichts entwickelt haben.
Und hier nun eine kleine Zusammenstellung der vier Seifen, von 2017 und 2018:
Kokosmilch-Kräuterseife 28.-30.04.2017
Bollernseife 28.-30.04.2017
Straußenfettseife 20.-22.04.2018
Tube Swirl 20.-22.04.2018





Die bunten Bilderchen oben zeugen von den Mühen und Plagen der Vorarbeiten zu unserer Bollernseife. Der Seifenzwerg und seine fleißigen Helferlein hatten einen Berg bunter Seifen gesiedet, die wir zerkleinert und mittels eines Rollbrettkugeldingens in Kugeln verwandelt haben. Die Kugelwuzelei hat mich fast zum Wahnsinn getrieben. Mein immerwährender Dank gilt da meiner Nichte Franziska, die mit einer endlosen Geduld Kugel um Kugel geformt hat. Das Bild in der Mitte ist ihr Arrangement. Die Kugeln für ihre eigene Seife wollte sie unbedingt in Goldmica wälzen. Das hat sich in der fertigen Seife sehr hübsch gemacht. Das Kind hat Geschick - definitiv. Leider habe ich von Franziskas Seife kein Foto, na klar. Immer schön die Konkurrenz kleinhalten. Nur von meiner eigenen. Die ist aber auch ganz hübsch geworden, finde ich.



Von der ersten Seife, die wir beim Treffen im April 2017 gesiedet haben, hätte ich fast kein Foto mehr machen können, weil die Seife schon verschenkt oder verwaschen war, als mir auffiel, dass ich noch gar keine Fotos davon gemacht hatte. Nun gut, werden manche sagen, das schont die Augen der Leser dieses Blogs. Aber halt - da habe ich doch noch ein angewaschenes Reststück gefunden. Zu früh gefreut!


Es war eine Kokosmilch-Kräuterseife. Ich habe - denke ich - Löwenzahn und Salbei genommen, auf jeden Fall getrocknete Kräuter und ganz fein vermahlen. Und aus dem restlichen Seifenleim sind dann noch diese Skarabäen entstanden.


Skarabäen sind immer gut, wenn ich auch nicht mehr weiß, mit welchem PÖ ich die Seife beduftet habe. Wahrscheinlich Lavendel-Bergamotte, weil ich in letzter Zeit fast nichts anderes zum Parfümieren meiner Seifen verwendet habe. Aber nachdem diese Seife schon den Weg alles Irdischen genommen hat, erscheint mir dieser Punkt üerntwie irrelevant.
Weiter im Text. Natürlich wurde auch 2018 im Schlössle eifrig geseifelt. Hier unten sieht man - für jeden ersichtlich, wenn er mit der Fantasie von Joanne K. Rowling oder Michael Ende gesegnet ist - eine Tube Swirl-Seife, auch so ein neudeutsches Wort. Allerdings klingt es um Längen besser als "Abflussrohrmarmorierung"; denn das ist, was wir zur Farbverteilung in der Seife benutzt haben: Zersägte Plastikabflussrohre. Na ja, bei mir hat das natürlich wieder nicht so ganz hingehauen. Der größte Teil des Seifenleims hat sich frei im Dividor verteilt. Aber der Schönheit der Seife hat das in meinen Augen keinen Abbruch getan. Im Gegenteil - sie gefällt mir richtig gut. Ich habe überhaupt festgestellt, dass meine Seifen immer recht passabel ausfallen, wenn sie sich sozusagen "selbst gestalten" dürfen.



Ja, und dann gab es noch die Straußenfettseife. Ich weiß ja nicht, wer mich auf die Idee gebracht hat, die Seife mit Ghassoul und grüner Tonerde zu färben. Trister geht es kaum. Doch siehe einer gucke da - die "Farbe" passt sowohl zu den Drachen, als auch zu den Libellen. Und die fedden Schneggen sehen geradezu schick aus in ihrem grün-grauen Outfit.









Nur die Seife, die ich in die Blockform gegossen hatte, die hatte definitiv etwas Morbides an sich: Ich habe mich im Stempeln versucht und "Strauß 18" auf die Einzelstücke gestempelt. Gar keine gute Idee. Nein, nein. Jedes der Stücke hat ausgesehen wie ein kleiner Grabstein für den Vogel Strauß. Ich habe die Seife gleich gar nicht fotografiert. Ich will ja hier gelobhudelt und nicht ausgelacht werden. Angenehm verwaschen haben sich die Minigrabsteine aber schon. Immerhin. Und ich freue mich schon auf die Schlössleseifelei 2020. Das wird bestimmt wieder lustig.

Ach, Upflamör! Du inzwischen für die Seifensiedergemeinschaft verlorene Oase auf dem hohen Rand der Alb über Zwiefalten schwebend! Irgendwie weiß keiner, was dein Name wirklich bedeutet, die einen behaupten, er komme von "Über dem Nebelmeer", die anderen wissen genau, dass er "Über den Pflaumenbäumen" bedeutet.
Wie dem auch sei, das alte Schullandheim, in dem wir so begeistert Seife gesiedet und anderen Unfug angestellt haben, ist inzwischen verkauft, und "Upflamör" - hier ist die Namensbedeutung völlig geklärt - wie in "Seife sieden, Perlen drehen, ratschen, basteln, ratschen, ratschen ..." ist umgezogen ins Schlössle. Abgesehen davon, dass dieser Name für einen nüchternen Neubau der denkbar unpassendste überhaupt ist, ist die neue Location ein Gewinn. Und wichtig ist doch nur, dass wir upflamören, nicht wo, oder?

miscellanea

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