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Donnerstag, 6. Juli 2017

Flickwerk in Delaware

Da ich quasi, was das Bloggen betrifft, mehr als ein halbes Jahr oder so geschwänzt habe, werde ich eben jetzt nach Lust und Laune und ganz ohne Ordnung durch die letzten Monate schlendern, hier und da eine Erinnerung aufgreifen und sie samt den zugehörigen Fotos mit mehr oder weniger Gewaltanwendung in einen Post zwingen. Fangen wir also an. Es ist ja nicht so, dass nichts passiert wäre seither. Allein meine Reise in die USA im letzten September erscheint mir inzwischen ganz unwirklich, und wen wundert's. Seit Trump zum Präsidenten gewählt worden ist, spielt Amerika verrückt. Und auch sonst wird die Welt jeden Tag närrischer, wohin man auch schaut.
Da können ein paar schöne Gedanken nicht schaden: Welches ist der rundeste Geburtstag, den die meisten Leute in Deutschland erleben? Genau der. Der bescherte mir auch als Geschenk eine Reise nach Delaware zu einem Quiltworkshop mit Bonnie Hunter. Es ist gar nicht so einfach, bei einer solchen Quilt Guild einen Kursplatz zu ergattern, noch dazu, wenn eine renommierte Quilterin die Veranstaltung leitet. Aber die Helping Hands Guild in Dover, Delaware, hat mich mit offenen Armen aufgenommen, herzlich, freundlich, eine wahnsinnig nette Truppe!
Ursprünglich wollten wir ja den Workshop mit einem langen USA-Trip verbinden, aber die schönsten Pläne taugen nichts, wenn Termine verlegt werden und in der Arbeit auch nicht alles so rund läuft. Der gemeinsame, große Amerikaurlaub wurde also verschoben, und ich bin am 23. September für eine Woche alleine nach Philadelphia geflogen.
Neun Stunden im Flugzeug. Das ist wie eine endlose Busfahrt ohne eine einzige Pinkelpause, bei der man sich wenigstens die Beine auf festem Boden vertreten kann. Endlich gelandet, Gepäck, Einreiseformalitäten - die USA haben jetzt einen vollständigen Satz meiner Fingerabdrücke (Na, den hätten sie von St. Adelheim auch bekommen können), Shuttlebus zur Autovermietung suchen. Ich war ein bisschen aufgeregt, weil ich vor über dreißig Jahren zum letzten Mal ein Automatikauto gefahren hatte und das nur für ein paar Stunden zur Übung. Ich muss aber sagen, die Umstellung ging problemlos. Und so bin ich mit meinem roten New Yorker Flitzer direkt im abendlichen Berufsverkehr (weil Frau Landpomeranze ja gänzlich furchtlos ist - manchmal) nach Zentralphiladelphia getuckert, wo ich ein Zimmer für die erste Nacht in fußläufiger Nähe zum historischen Zentrum hatte.

3rd Street South ...

... sieht doch ein bisschen aus wie
das Set von Singing in the Rain

Eine Warnung an alle, die in Philadelphia parken wollen! Mein Auto stand keine 20 Zentimeter in der Parkverbotszone. Trotzdem. Ich kam von meinem Abendspaziergang zurück und es war futsch, weg, gestohlen? Ich also bei der Polizei angerufen und bei der Autovermietung. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass es wegen der paar Zentimeter abgeschleppt worden sein könnte. Aber der indische Ladenbesitzer, von dem ich mein Appartement in einem der historischen Häuser gemietet hatte, wusste es besser. Ja, die "parking authority" hatte mein Auto, und ich musste nachts um halb zwölf mit dem Taxi nach Jottwedeh auf einen riesigen Parkplatz fahren, wo ich das Auto dann für eine horrende Strafe wieder auslösen durfte. Danach Entwarnung bei der Polizei und der Autovermietung geben. Oh Mann! Das Härteste aber war, dass ich den Wagen den Rest der Nacht für 27 Dollar auf einem bewachten Parkplatz lassen musste. Und wäre ich nicht um 6 Uhr morgens schon von dort aufgebrochen, hätte ich nochmals 18 Dollar geblecht - Samstagvormittagstarif.

Meine rote New Yorker Feuerspritze

Das Autochen hatte wirklich keine schöne Zeit bei mir: Abgeschleppt - besser "verschleppt" - in der ersten Nacht und von einem Idioten angefahren in der letzten Nacht vor meinem Rückflug, als es auf dem Hotelparkplatz stand und vor sich hin träumte. Es war sicher froh, mich wieder los zu sein.

Only a quarter inch seam allowance -
Weiter stand ich wirklich nicht im
Halteverbot unter diesem Schild

Aber was soll's. So bin ich also morgens um viertel vor fünf aufgestanden und vor dem schlimmsten Berufsverkehr nach Wilmington in Delaware gefahren, um meine Gastgeberin Mary Dawn im Haus ihres Sohns zu treffen. Sie ist Mitglied bei den Helping Hands und hatte mich eingeladen, während meines Besuchs bei ihr und ihrem Mann zu wohnen. Einfach so. Ist das nicht wirklich gastfreundlich? Und überhaupt hat sie mich überallhin mitgenommen, so dass ich mich gar nicht wie eine Touristin, eher wie eine alte Familienfreundin fühlte. Am Samstag ging es gleich weiter in die Hügel von Pennsylvania, zu einem historischen, wunderschön renovierten Farmhaus aus Feldsteinen. Da gibt es sogar noch die ehemalige offene Feuerstelle, mit der schwenkbaren Kesselaufhängung, wie bei den alten Pionieren. So ein schönes und gemütliches Haus habe ich lange nicht gesehen.

Ach! Ich hätte euch so gerne Fotos vom Hausinneren
gezeigt, aber so indezent bin nicht einmal ich

Anlass für den Besuch war ein Baby Shower, bei dem die angehende Mutter im Rahmen einer großen Party mit Nützlichem und Hübschem rund um das erwartete Baby beschenkt wird. Inzwischen ist das kleine Mädchen auf der Welt, ein bisschen zu früh, aber wohlauf. Ich hatte dem Baby auch etwas mitgebracht. Gestrickte Schühchen und Pulswärmer. Die werdende Mama hat sich sehr gefreut, was wiederum mich sehr erfreut hat.

Sie wärmen jetzt Füßchen und Pulse
von Mia Louise

Abends dann ging es in ein bekanntes Fischrestaurant, das am Leipsic River liegt, einem Fluss der in die Delaware Bay mündet. Die Krabbenkutter kommen direkt mit ihrer Ware in den Hafen hinter dem Haus. Man hat den Eindruck, am Meer zu sein.

Den berühmten weiten Himmel
gibt's nicht nur im Wilden Westen

Kann eine amerikanische
Kleinstadtstraße typischer sein?
Zugegeben, soviel sieht man gar nicht

Essen in Sambo's Tavern am Samstag Abend ist eine laute Angelegenheit. Rund um mich herum hämmerten und schlugen die Hungrigen auf die harten Schalen der Krabben ein. Selbst schreiend konnten wir uns kaum über den Tisch hinweg verständigen. Wir haben uns lieber leckere Crabcakes bestellt und ohne Hammer gegessen.

Was von den Krabben übrig blieb -
Ob wohl Prostetnic Vogon Jeltz
heimlich hier zu Gast war?

Anderntags gab's noch mehr Familie, mehr Brüder, Söhne, Nichten, Neffen. Und ich war immer wieder erstaunt, wie groß diese neuen Häuser alle sind, in denen wir sie besucht haben. Es ist ein ganz anderes Wohnkonzept als bei uns. Auch wenn genügend Geld da wäre, werden hier doch häufig kleinere Häuser gebaut. Und die Siedlungsform: Weit auseinander gezogen, mit sehr großen Gärten. Bei uns drängen sich die Häuser viel dichter aneinander. In Mitteleuropa ist der Platz einfach knapp. Delaware ist Platz pur, flach, mit einem weiten Himmel, immer wieder Wald und überall einer Ahnung von Meer.


Reisen bildet:
Schwarzer Buggy: Kent County, Delaware
Blaugrauer Buggy: Lancaster County, Pennsylvania

Meine Gastgeber wohnen in Wyoming einer alten Stadt mit einem kleinen Stadtkern, umgeben von zahlreichen Developments und Farmen, von denen viele den Amish gehören. Die Angehörigen dieser Religionsgemeinschaft werden nicht so gerne fotografiert, deshalb habe ich es beim typischen Buggyfoto belassen, um keine Gefühle zu verletzen.

Stellvertretend für meine Mitbringsel:
Lavendelvögelchen

Sonntagabend waren wir in einem sehr ruhigen Lokal an einem See, keine Hämmer, aber wieder mit ganz leckerem Essen. Ich hatte Pulled Pork, das ist mein ganz persönlicher Favorit. Wir waren eine kleine Gruppe: Die Geschäftsführerin der Helping Hands, ihr Mann, meine Gastgeber und eine alte Dame, die mit ihren 84 Jahren auch noch extra für den Workshop angereist war.

Nicht nur war das Essen gut in dem Lokal, es hatte
auch einen fast prophetischen Fußboden (das
Lokal, nicht das Essen) ...

... Patchworkmuster am ersten Tag
des Workshops: Talkin' Turkey

Die Dame im Vordergrund ist
übrigens Bonnie Hunter. Und den
wunderbaren Quilt auf der Bühne
haben wir auch gepriesen.

Workshop in der Methodistenkirche in Wyoming, die ist groß wie ein Supermarkt, mit einem entsprechenden Parkplatz und einem riesigen Veranstaltungsraum, viel Platz für Gelächter, Unterricht, die Präsentation wunderschöner Quilts, und dazu ratterten die Nähmaschinen. Wie schön!
Am Abend dann - wieder in einer Kirche, diesmal bei Baptistens - ein Vortrag von Bonnie und eine Ausstellung ihrer Quilts, die ich bisher nur von ihrem Blog oder aus ihren Büchern kannte und jetzt ganz aus der Nähe bewundern konnte. Die Vielfalt der verwendeten Stoffe ist schier unglaublich. Ich war so beeindruckt, dass es mir die Rede verschlug. Und das, ihr Lieben, will bei mir schon etwas heißen.

All diese wundervollen Quilts ...


... hier sind sie versammelt. Ah!!
Am liebsten hätte ich jedes der
vielen Tausend Stoffstückchen
einzeln gestreichelt.

Am nächsten Tag ging es weiter mit "My Blue Heaven". Es war eine so schöne Stimmung im Kursraum. Und für mich war es wieder sehr inspirierend einer wahren Meisterin des Patchworkens über die Schulter zu schauen. Ich habe eine Menge gelernt in diesen zwei Tagen.

Praise the Lord and thread the needles, ladies! 
 
Der letzte Tag meines Aufenthalts wurde den Quiltshops in Lancaster County in Pennsylvania gewidmet. Es gibt kleine, feine und große, aber nicht weniger feine: Stoffe über Stoffe, eine Pracht. Ich kaufe gerne übers Internet, aber es ist doch überwältigend, so viele verschiedene Stoffe ansehen und anfassen zu können. Ich wäre fast, glücklicherweise nur fast in einen Kaufrausch verfallen. Vor lauter Stoffen habe ich kaum Fotos gemacht, tss.
Der Abschied von Mary Dawn und ihrem Mann fiel mir richtig schwer. Die beiden sind wirklich nette Leute.

Unterwegs in Pennsylvania an einem
regnerischen Tag

Am Abend saß ich im vierten Stock
im Hotel auf der Fensterbank. Seht
ihr, wie hoch die US-Flagge reicht?

Mein Bett mit den Ergebnissen des
Kaufräuschchens

Da mein Flug erst am Nachmittag ging, hatte ich nach dem Auschecken aus dem Hotel noch schön Zeit den Independence National Historical Park in Philadelphia zu besuchen.

Independence Hall - Ein Hauch von
Geschichte hat mich angeweht oder
war es eher der feine Sprühregen?


Blick auf das Liberty Bell Center vor
der etwas drohenden Kulisse des
modernen Philly
 
Der nüchtern und zweckmäßig
eingerichtete Assembly Room, wo
die Unabhängigkeitserklärung
unterzeichnet wurde


Independence Hall mit Uhrturm und
Extrauhr zur extragenauen Anzeige
historischer Stunden


Congress Hall - Hier tagte der
Kongress von 1790-1800: Ein
schöner Raum, sehr würdevoll,
aber ohne übermäßigen Prunk


Congress Hall kann auch mit einem
rasant steilen Treppenhaus
aufwarten


Liberty Bell - Was aussieht wie der
berühmte Riss, ist es nicht. Der
verbirgt sich - nahezu unsichtbar -
am oberen Teil der Glocke

Auf dem Flughafen dann, kurz vor dem Heimflug, ein bisschen Verrücktheit:

Pipiplatz für Pongo und Perdita


Wenn man bedenkt, was sich seit meiner Reise an wirklichem Irrsinn in den USA ereignet hat und noch ereignet, erscheint mir ein Hundeklo mitten auf dem Flughafengang wie eine nur etwas exaltierte Notwendigkeit - komplett mit Gebrauchsanweisung.

Dabei wäre Amerika so schön!

miscellanea

Sonntag, 11. Dezember 2016

Würzige Anhängsel

Ihr kennt das sicher alle: Nach der Weihnachtsbäckerei bleiben manchmal angebrochene Packungen feiner Gewürze übrig. Oft meint das Schicksal es nicht gut mit ihnen. In Schubladen und Gewürzregalen verrauchen ihre Aromen und sie hauchen ungenutzt und unbeschnuppert ihren herrlichen Duft aus, weil unter dem Jahr typische "Weihnachtsgewürze" einfach etwas seltener in der Küche gebraucht werden.
Dem kann aber abgeholfen werden, wenn man sie mit dem folgenden Rezept zu Gewürzanhängern verarbeitet. Dann finden sie Gelegenheit, ihren weihnachtlichen Duft nutzbringend zu verströmen.
Das braucht ihr dazu:



Zimt, Nelken, Kardamom, Muskat etc. - alle Gewürze, die man z.B. in einen Lebkuchen- oder Spekulatiusteig mischen würde. Ich achte immer auf eine recht zimtige Note. Aber das ist eine persönliche Vorliebe. Auch Nelken und Kardamom können dominieren. Das Wichtigste ist aber immer: Die Gewürze sollten möglichst fein vermahlen sein. Voriges Jahr hatte ich recht grob gemahlenen Zimt. Das gab zwar nette, aber sehr rustikale Anhänger.
Also ca. 100g feinvermahlene Gewürze mit ca. 170-190g feinem Apfelmus (es geht auch Birnenmus oder ganz feines Zwetschgenmus, Hauptsache es ist ohne Stücke) mischen. Der Teig sollte sich anfühlen wie nasser Sand.
Dann zwei volle Esslöffel weißen Bastelleim in den Teig kneten. Jetzt ist der Teig schön geschmeidig.



Zwischen zwei Bogen Backpapier ausrollen, ca. 1/2cm dick für Ausstechformen, ca. 1cm dick für Springerlemodel.



Dazu muss ich sagen, dass ich für die Gewürzanhänger nicht meine Holzmodel nehme, sondern Keramikrepliken alter Model, weil die den Gewürzgeruch nicht annehmen. Diese werden vor Gebrauch gut mit Zimt eingepudert, damit sich der Teig auch wieder leicht aus der Form löst.






Mit einem Schaschlikstäbchen oder einer Stricknadel ein Loch in die Gewürzplätzchen stechen und bei 50°C und leicht geöffneter Ofentür zwei Stunden trocknen. Dann Plätzchen auf die Rückseite drehen und nochmals zwei Stunden trocknen. Alternativ kann man sie auch einige Tage ohne Ofen auf einem Papier aushärten lassen.
Nach Wunsch verzieren. 



Sie sehen aber auch unverziert gut aus. Einfach noch ein schlichtes Band einziehen.



Ich bemale sie aber immer mit goldfarbenen Lackstiften oder Perlenstiften etc., damit sie nicht so leicht mit essbaren Plätzchen verwechselt werden.









Denn über eines muss man sich im Klaren sein. Sie sehen hübsch aus und duften umwerfend. Sie schmecken aber absolut schauderhaft. Fragt mich, woher ich das weiß und wie ich an das Rezept gekommen bin.
Viel Freude beim Nachmachen! 

miscellanea


Sonntag, 27. November 2016

Feingebäck fürs Bad

Dieses Jahr werde ich anscheinend nur gesund, um mir sofort wieder etwas Grässliches einzufangen. Und das geht schon seit Januar so. Große Lust zum Werkeln hat man da nicht, und Frau Kreativität humpelt gerade noch so auf Krücken neben mir her. Also an der Bastelwastelfront tut sich daher nicht so viel, und das bisschen, was ich zeigen könnte, kann ich doch nicht zeigen, weil, ja weil fast alles in das Adventskalenderwichteln im Seifenforum gewandert ist, einschließlich der Seifen. Und ich muss warten, bis mein Wichtelkind mich "erraten" hat.
Was für ein Glück also, dass Eva Schaumzwerg und ich uns am Zwölften bei ihr zu einer gemeinsamen "Backstunde" getroffen haben. Entstanden sind zwei verschiedene, spaßige Badezusätze: Baderouladen und Badekekse. Die letzteren werden sogar im Ofen gebacken - also gut, also gut, eher getrocknet.
Nach folgenden Rezepten haben wir die Rouladen gearbeitet:
150g Natron
75g Zitronensäure
80g SLSA
45g Speisestärke
45g Buttermilchpulver
120g Kakaobutter
Gefärbt wurde mit Pigmenten von VvW und beduftet sind die Rouladen mit Lavendel-Bergamotte von Sensory Perfection

Eine genaue Anleitung für die Baderouladen und die Badekekse - das Rezept dafür stammt von Eva selbst - findet ihr auf Evas Blog. Sie hat inzwischen noch weiter experimentiert und ihre Ergebnisse können auch im Seifenforum nachgelesen werden.
Und das ist bei unserem netten Nachmittag herausgekommen:


Hübsch aufmarschiert: Rouladen in Formation

Noch ein bisschen Badewasser dazu gefällig?

Nicht zum Anbeißen

Duftet gut, nur wonach? Ich vergesse fast jedes Mal,
mir das aufzuschreiben

Ha! Da habe ich mir den Duft gemerkt: Rose und Milch

So, und was poste ich jetzt als Nächstes? Ich kann nichts Seifiges posten, nichts Basteliges und auch keine Handarbeit. Hm. Bleibt nur ein Bericht aus Delaware und Pennsylvania. Dafür musste ich doch glatt nach Amerika fahren. Aber das gibt's dann erst im nächsten Post.
Und ich gehe jetzt meinen Adventskalenderwichtelnadventskalender auspacken. Juhu!

miscellanea

Mittwoch, 12. Oktober 2016

Vorläufig Idun - Sole, Gurke, Stutenmilchpulver (Seife Nr. 102)

Geht es euch auch manchmal so? Beim morgendlichen Blick in den Spiegel stellt man fest, dass das Gesicht darin mit sehr viel mehr Haut versehen ist als früher (Nein, als gestern noch) genug, um nochmals ein Gesicht damit auszustatten. Vor allem muss man pro Auge nicht mehr nur ein Lid öffnen, um etwas zu sehen, sondern zwei oder drei, wenn's am Vortag mal wieder spät geworden ist. Nun, im Grunde ist es sicher nicht schlecht, von so etwas Nützlichem wie Haut ein bisschen mehr als nötig zu haben, aber muss ich deshalb gleich zum Shar Pei mutieren? Nach dem obligatorischen Entsetzensweckruf wasche ich den Fremdling im Spiegel dann doch jedes Mal.
Mein neues Seiflein ist sichtlich von solcherlei düsteren Gedankengängen beeinflusst: Gurken und Tonerde zur Straffung, Stutenmilch zur Pflege der Haut, ihr seht schon, worauf das hinausläuft (Ob die diesjährige Gurkenernte Niederbayerns insgesamt überhaupt ausreichend ist für deine Zwecke?).
Gesiedet habe ich die cremefarbene Seife am Montag nach unserer Rückkehr aus London nach folgendem Rezept, und ein paar Beschwörungsformeln habe ich auch mit hineingerührt.

Babassuöl 270g
Distelöl 150g
Mandelöl 150g
Kokosfett 100g
Olivenöl 100g
Jojobaöl 30g

Grüne Tonerde (wenig), Stutenmilchpulver (beides mit etwas von den geschmolzenen Fetten zu Brei manschen und ab damit in den gerade homogen gerührten Seifenleim)
Salz für die Lauge aus Gurke (geschält und püriert)

Genaue Mengen der ätherischen Öle kann ich nicht angeben:
Zuerst habe ich als Hauptbestandteile Krauseminze und Lavendel Barrème gemischt, bis mir der Duft zugesagt hat, dann Rosmarin und Limette dazu, bis ein deutlich krautig-zitroniger Duft wahrnehmbar war; abgerundet wurde mit ein paar Tropfen Amyris und etwas mehr Ylang Ylang.


Auch bei denen bröckelt's ein bisschen

Da freut sich wer auf Weihnachten

Der Herbst ist da, das Jahr fängt richtig an damit, zur Neige zu gehen, schon wieder eines furt, futsch, weg, dahin, passé. So schnell kannst du gar nicht schauen, wie die Jahre in die Büsche hechten. Als wär's in der Vergangenheit schöner als jetzt. Ts,ts. 

Alienzikaden haben schon etwas Gruseliges an sich

Yupp, die Schäfchen fürchten sich

Und manchmal fühle ich mich wie Fortunatus Wurzel aus Ferdinand Raimunds Stück Der Bauer als Millionär. Seine Jugend hat sich aber wenigstens wort- und melodienreich (Die süße Stimme von Renate Holm mochte ich schon immer) von ihm verabschiedet, meine Jugend hat sich irgendwann bei Nacht und Nebel davongemacht, die treulose Tomate, als ich gerade nicht aufgepasst habe. Ich denke aber, sie hat einen Teil ihres Gepäcks bei mir stehen lassen, gefüllt mit unsinnigen Ideen und allerhand Blödsinn. Oder sollte das - welch niederschmetternder Gedanke - schon ein Teil der Utensilien des Hohen Alters sein? Das fehlte noch! Für den Fortunatus  ist die Sache dank der Zufriedenheit damals gut ausgegangen. Bleibt noch Hoffnung in meinem Fall.

Höhöhö, habt ihr schon den neuesten Witz gehört?

Also wüür haben den schon gekannt, der hat ja
soooo einen Bart

So habe ich mich entschlossen, die Seife mit dem Namen der Idun zu belegen, der germanischen Göttin der ewigen Jugend, Ach ja. Ich wäre mittlerweile schon mit der Göttin des Schon-etwas-angeschlagenen-mittleren Alters zufrieden oder der Fee der Gebeutelten-Baby Boomer. Sollte so eine Dame sich bei mir melden und einen seifentauglichen Namen vorweisen können, dann werde ich meine Kreation umbenennen. Ich halte euch darüber auf dem laufenden, wühle inzwischen noch ein bisschen im nachgelassenen Gepäck der Jugend und höre AC/DC.

;-) miscellanea
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