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Donnerstag, 19. April 2012

Die Stadt - Eine Gedichtseife (Seife Nr. 41)

Ich habe im Seifentreff einen Seifenschieber initiiert, mit dem Thema: Mein Lieblingsgedicht. Zwei der Seifen, die in diesem Zusammenhang entstanden sind, waren schon auf meinem Blog zu bewundern und sind es noch - guckst Du hier. Die anderen werden folgen.
Meine Seife, die ich am 26. Februar gesiedet habe, orientiert sich an diesem Gedicht:

Die Stadt
Was sagt der Wind zu Jerusalem
Was flüstert er
Wenn er ihr die sandigen Flanken streichelt
Goldene
Was hört sie
Wenn er sie umkreist
Schleichend und zart wie ein Jäger
Todgeweihte
Ewige

(A.W.)

Wie fasst man so ein Gedicht am besten in Seife. Also ich habe mir zuerst einmal ein Rezept gebaut, das möglichst viele Materialien vereinen soll, die entweder typisch für die Region sind oder auf die Geschichte Jerusalems hinweisen oder einen Bezug zur Stadt haben:

400g Kokosöl - na gut, weder regionaltypisch, noch symbolträchtig, musste aber sein
500g Olivenöl - ein ganz typisches Öl für diese Region
200g Mandelöl - der Mandelbaum ist eine alte Kulturpflanze, die schon vor 4000 Jahren in Vorderasien kultiviert wurde
Etwas Salz für die Lauge - Lage der Stadt in Wüstennähe, Totes Meer
Etwas Honig für die Lauge - Das Land, in dem Milch und Honig fließen; aber die Milch habe ich mir verkniffen

Der Seifenleim wurde in vier Teile geteilt, mit verschiedenen Zusätzen:
1. Gelbe und etwas weiße Tonerde mit gemörsertem Weihrauch
2. Gelbe und etwas weiße Tonerde mit Olivenkern-Mandelstein-Granulat
3. Gemörserte Kohle
4. Keine weiteren Zusätze

Die Kohle ist ein Symbol für wiederholte Bedrängnis oder Vernichtung der Stadt, Olivenkerne und Mandelsteine stehen für das Harte und Karge der Landschaft, und der Weihrauch symbolisiert natürlich das Heilige, versteht sich, eine Aura, mit der Jerusalem reichlich gesegnet und vorbelastet ist.




Die Seifenoberfläche soll an den Jerusalemer Sandstein erinnern und gleichzeitig an die Stein gewordene Geschichte, an die einzelnen Schichten der Jerusalemer Geschichte. Deshalb habe ich die Seife getrichtert: Heiliges, Profanes, Glück und Unglück sind untrennbar in Schichten verbunden. Solche Schichtungen aus Sand und kleinen Steinchen und sonstigen Materialien kann man in den Jerusalemer Ausgrabungsstätten überall finden.




Der Duft: Weihrauchöl, Lorbeeröl - auch der Lorbeerbaum ist ein typisches Gewächs der Region und Vorderasiens -, ein paar Tropfen Zedernholzöl  - für das Zedernholz des Tempels. Und die Zitrusfamilie ist - vielleicht nicht ganz passend, aber praktisch - durch Litsea cubeba vertreten.





Der Stempel soll eine Stadtmauer symbolisieren, das, wodurch ein Ort erst zu einer Stadt wird; auch die Mauern Zions. Zuerst wollte ich eine Spirale machen, als Zeichen für die Ewigkeit. Aber die stilisierte Mauer gefiel mir besser. Das war vielleicht eine Fimofitzelei. Zum Glück bin ich von der Idee abgekommen, auch noch Mauersteine einzuritzen! Gestempelt habe ich mit Gold, einem oft für sakrale Zwecke benutzten Metall; das kann auch für „Jerusalem, die Goldene" stehen, aber vor allem für Ewigkeit und Dauer.





Das Falten der Schachteln hat mich wieder einmal den vorletzten Nerv gekostet. Das ist einfach nichts für mich. Aber ich wollte ja, dass die Seifen eine ordentlich mit symbolischen Hinweisen überladene Verpackung bekommen. So habe ich eben den hellbraunen Karton brutal in Schachtelform gezwungen, auch Sichtfenster habe ich noch ausgeschnitten, auch ein paar in meine Finger, und diese - also die Fenster in den Schachteln - mit Cellophan hinterklebt, bevor ich meine Bastelsachen aus dem dritten Stock geworfen habe.
Auf den Schachteln steht jetzt zu lesen, wiederum in Gold:

Hebräisch:           Arabisch:            Deutsch:
         المدينة             העיר         Die Stadt
          القدس               ירושלים    Jerusalem / al-Quds (arabisch „Die Heilige“)


Zum Schluss, so als kleines Geschenk, habe ich noch kleine Säckchen genäht und mit schönem, weißen Weihrauch gefüllt. Auf dem Anhänger ist das Wappen der Stadt Jerusalem abgebildet, so wie es heute in Gebrauch ist.




Ich habe aber vermieden, mich nur auf eine bestimmte Religion zu beziehen; denn die Stadt ist drei Weltreligionen heilig, und ich wollte nicht drei Seifen zu dem Thema sieden. Außerdem bezieht sich das Gedicht mehr auf Jerusalem als Archetypus Stadt und weniger auf das Thema Religion. Aber das Thema Religion lässt sich bei Jerusalem natürlich nicht völlig ausblenden.
Eine Stadt, von den Menschen für die Ewigkeit gebaut, wird umkämpft, wieder aufgebaut, sie scheint ewig und ist es wohl auch, wenigstens im Gedächtnis der Menschen. Aber der Wind weiß es letztlich doch besser.

miscellanea

Kommentare:

  1. Da ist dir eine phantastische Seife gelungen! Gefällt mir sehr gut.
    LG Petra

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  2. Wahnsinn, tolle Umsetzung des Themas...
    Und Du kannst Schachteln basteln

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  3. Uma verdadeira maravilha, tanto o sabão quanto o seu relato com a analogia ao tema.
    Beijos,
    Sonia

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  4. Wow, die ist ja schön geworden.

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  5. Ganz tolle Umsetzung, einfach traumhaft...die Seife, die Verpackung sind zusammen wirklich wunderschön!

    LG Luna

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  6. Wow! Das ist einfach unglaublich, dass Du für jede Einzelheit eine Begründung hast, das ist eine schon fast philosophische Seife. Und dann sieht sie auch noch ganz toll aus. Du solltest Dich vielleicht bei der Stadt Jerusalem im Stadtmarketing bewerben... ;-)

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  7. Kann nur staunen, wie du dieses Gedicht bis in letzte Detail ganz vortrefflich in der Seife umgesetzt hast.
    Die Idee mit den Weihrauchsäckchen und die Fensterverpackung finde ich ebenfalls gelungen.
    LG Marit

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  8. ich verneige mich ;-)
    Wunderschöne Seife, ein Thema klasse umgesetzt....
    LG
    Sibylle

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  9. Es geschah vor rund 2000 Jahr´,
    da ward die Prophezeiung wahr
    und sie beeinflusst ewiglich
    alle Menschen - und auch Dich !

    ;-)

    Liebe Miscellanea, das ist eine der schönsten Seifen die ich je gesehen habe; ein echtes Meisterwerk ist Dir hier gelungen - und so ein toller Background !

    lg, mon-peci

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Ich freue mich über euere Kommentare. Danke, dass ihr euch die Zeit dafür nehmt :-)))

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