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Sonntag, 28. September 2014

Ludwig wer?

Als wir jüngst in Regensburg waren, also sehr jüngst, genauer letzten Sonntag, sind wir nicht über den Strudel gefahren, sondern haben uns die Landesausstellung angesehen. Thema: Kaiser Ludwig IV. Da den guten Mann außer Historikern und einigen historisch interessierten Laien Wenige kennen, ist es schon lobenswert, dass sich einmal eine Ausstellung seiner annimmt. Immerhin war seine Regierungszeit eine unruhige und aufregende, aber das war ja bei den meisten Kaisern so. Aber dafür, dass Ludwig der Bayer von 1314-1346 als König und Kaiser regiert hat, mehr oder weniger, ist er recht unbekannt. Wenigstens ist ihm in dem Roman "Der Name der Rose", der ja in der Zeit Ludwigs spielt, die eine und andere Erwähnung zuteil geworden.
Es gibt drei Ausstellungsorte: Die Minoritenkirche, den Domkreuzgang und das Diözesanmuseum St. Ulrich.
In der Minoritenkirche werden Leben und Wirken des Kaisers, der sich während seiner 32 Jahre dauernden Regierungszeit mit den Habsburgern und den Päpsten in Avignon herumschlagen musste, ausführlich dargestellt. Dass er zum Schluss, von einem Schlaganfall oder Herzinfarkt dahingerafft, einfach tot von seinem Jagdross fiel, ist dem Besucher nicht nur verständlich, wenn er mit der Ausstellung durch ist, sondern man fragt sich sogar, wie der Mann so lange durchhalten konnte. Er war eben doch ein zäher Bayer.
In der Ausstellung durfte man nicht fotografieren, alleine schon wegen all der Originalurkunden und wahrscheinlich auch wegen des ältesten Hühnereies der Welt, das definitiv keines von Schweppermanns Eiern sein kann, da viel zu jung für den Treuen, Braven, Frommen. Keine Fotos also - schön für euch, traurig für mich.
Von der Minoritenkirche sind wir flugs zum Domkreuzgang geeilt, aber nicht ohne uns vorher ein Käffchen zu gönnen. Ja, ich weiß doch. Ich Kulturbanausin. Aber Regensburg ist meine allerallerliebste Herumschlenderstadt, mit vielen netten und netteren Cafés. Denen muss man auch Gerechtigkeit widerfahren lassen und nicht nur dem großmächtigen Herrn Kaiser.
Der Domkreuzgang in Regensburg ist an sich schon ein düsterer Ort.


Blick vom Domkreuzgang in den Garten - regendüster
St. Stephanus und Domtürme

Aber an einem regnerischen Tag fühlt man sich dort zwischen all den Grabsteinen und Marmorplatten wie in Tanz der Vampire, auch wenn sie Engelchen zeigen. Der Tod ist immer nahe.


Todesengelchen mit passendem Kissen

Und der Verfall auch.


Uralte Ewig-Licht-Laterne

Mir war wirklich manchmal so, als hätte ich kurz einen Blick auf Professor Albronsius und Alfred erhascht.
Auch das wunderbar kunstvolle Gitter neben dem Eingang zum Mortuarium macht den Ort nicht freundlicher. 


Strenge Blicke - Wehe, Du öffnest!

Zierlich geschwungenes Hindernis

Was die Konzeption dieses Ausstellungsbereichs betrifft: Nicht nur ich habe mich gefragt: Was hat das eigentlich genau mit Kaiser Ludwig IV. zu tun? Nicht, dass es nicht interessant gewesen wäre, etwas über mittelalterliche Jenseitsvorstellungen zu lernen, aber die thematische Anbindung an die Ausstellung ist zu schwach.


Die paar Schritte nach St. Ulrich über den Domhof, ...

... auf dem die Dombauhütte ihre Ersatzteile
und Restaurierungsfälle lagert, ...

... konnten wir im Sonnenschein zurücklegen.

Eher heiter ging es dann in St. Ulrich weiter. Ein Film von und mit Christoph Süß - das ist der Mann von Quer - führt die Besucher in das Regensburg zur Zeit Ludwigs des Bayern, aber auch hier bleibt der Monarch bescheiden im Hintergrund. Trotzdem ist der Film sehr vergnüglich und anschaulich. Und man lernt einiges über Regensburg und seinen Dom. Auch die zusätzlichen Ausstellungsstücke in St. Ulrich sind es wert, genau betrachtet zu werden. Natürlich durfte man auch hier nicht fotografieren. Bei manchen der kostbaren Ausstellungsstücke ist das mehr als verständlich. Da ist z.B. das berühmte Schmetterlingsreliquiar aus der Schottenkirche mit seinem ledernen Behälter. Das einmal ganz von Nahem zu sehen, war schon etwas Besonderes. Für euch kann ich nur einen Link zu den Bildern setzen. Aber es lohnt sich, ein bisschen darüber nachzulesen. Dann gab es noch ein wunderschönes mit Liebespaaren bemaltes Kästchen. Davon hätte ich gerne wenigstens eine Postkarte gehabt. Doch leider bin ich nicht fündig geworden.
In einem Fall aber habe ich das Fotografierverbot missachtet. 


Junggeblieben seit 700 Jahren

Hier ein Foto, ohne Blitz natürlich, von einem Wasserspeier, der es nie an die Mauern des Doms geschafft hat. Wahrscheinlich ist er damals einfach im Bauschlamm versunken. 1985 wurde der Stier oder Ochse wieder ausgegraben. Es ist schon bemerkenswert, wie akkurat sich die Spuren der mittelalterlichen Bearbeitung des Steins erhalten haben, keine Verwitterung hat sie verwischt. Er sieht aus, als hätte der Steinmetz gerade Beil und Meißel zur Seite gelegt, um Brotzeit zu machen. Von Nahem ist die Oberfläche der Stierskulptur rauh, aber von weiter weg sieht sie glatt, fast weich aus. Das ist wie ein handwerklicher Gruß über all die trennenden Jahrhunderte.
Weil wir schon so nahe waren, haben wir eine kleine Zwischenstation im Dom gemacht und uns nicht den berühmten lächelnden Engel, sondern zwei kleine Figürchen in den Nischen rechts und links des Hauptportals angesehen: Den Teufel und seine Großmutter. 


Gibt es ...

... auch für mich ...

... und meinesgleichen ...

... eine Chance?

Ganz winzig - zu dem im Vergleich zu ihnen riesigen Innenraum der Kathedrale - quetschen sie sich an die Wand. Aber auch sie, sinnbildlich für alle Dämonen, finden letztlich ein Plätzchen im Himmelreich, das das Kircheninnere symbolisiert. Ich finde, dieser Gedanke hat etwas Versöhnliches, Freundliches. Eine Haltung, die wir Heutigen dem Mittelalter nicht gerne zugestehen.
Nachdem wir unseren Wissensdurst gestillt hatten, sind wir noch ein bisschen durch die sonntäglich entspannte Stadt gebummelt. Auch davon habe ich noch ein paar Fotos mitgebracht.


Kramgasse ...

... und Tandlergasse ...

... machen ihrem Namen alle Ehre.
Das Schönste daran? Es steht nicht bei mir zuhause!

Und das Kästchen mit der Klöpplerin? Schaut auf den Preis!

Obwohl Regensburg mittlerweile in Teilen sehr touristisch glattgehobelt und geliftet ist, findet man immer wieder ganz besondere Eckchen, die fast trotzig auf ihre Eigenheiten beharren, z.B. dieses Tor in der Schwarzen Bärenstraße.


Ein hübsches Portal. Von 1904?

Hochnäsige Herren oben, Vogelnester unten.

Frosch, Fliege beäugend.

Und sie hat die Vögel fest im Blick.

Aufmerksam seit ca. 110 Jahren.
Das nennt man Geduld.

Abschließend haben wir uns noch ein leckeres Essen einverleibt und sind nach Hause gefahren.
Trotz des ganzen Rummels um die Erhebung zum Weltkulturerbe bleibt Regensburg etwas Besonderes. Ein Besucher aus Amerika hat mich einmal ganz ungläubig in Bezug auf die historische Echtheit der Stadt gefragt: "Is it a fake or is it original?" - Eine Frage, die ich noch immer aus vollem Herzen mit "Alles echt!" beantworten würde. Und ich würde nur ein ganz klein bisschen schwindeln damit. Wollen wir hoffen, dass das so bleibt, Regensburg. Streng Dich an!

miscellanea

Kommentare:

  1. Früher war ich auch oft in Regensburg ... eine schöne Stadt :-)

    Bei Deinem Bericht bekomme ich wieder richtig Lust, auch mal wieder da hin zu fahren.

    LG
    Eva

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  2. Ich war noch nie in Regensburg. Wie schade, ich bin ein großer Freund "alter Gemäuer". Das ist wieder ein sehr schöner, detaillierter Bericht von dir. War bestimmt ein toller Tag.
    LG Petra

    AntwortenLöschen

Ich freue mich über euere Kommentare. Danke, dass ihr euch die Zeit dafür nehmt :-)))

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