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Sonntag, 15. September 2013

Ich will zur schönen Sommerszeit ...



… ins Land der Franken fahren.“ heißt es so treffend im Frankenlied. Nun ist es ja noch Sommer gewesen bis letztes Wochenende, wo am Samstag das Wetter auch wirklich nochmals zu sommerlicher Hochform aufgelaufen ist. Deshalb (und weil du dem Renovierungsschaos zuhause entfliehen wolltest) sind die Kampfklöpplerinnen und ich ins Land der Franken, genauer nach Abenberg, noch genauer auf das dortige Klöppelfest gefahren.
Ich mag ja diese alte Burg auf dem Berg, obwohl ein Teil der stattlichen Türme nicht dem Hochmittelalter, sondern den romantischen Träumereien zweier reicher Knilche aus dem 19. Jahrhundert entsprungen ist.







Auf der Burg ist ein ganz feines Klöppelmuseum untergebracht, außerdem das „Haus der fränkischen Geschichte“, in dem zur Feier des hundertjährigen Bestehens der Klöppelschule Abenberg eine Ausstellung gezeigt wird, die „Klöppelkunst mit zeitgenössischer Kunst“ verbinden soll.

Für diese Art der Goldspitzen aus feinstem Golddraht ist Abenberg berühmt:



Aber man kann natürlich mit den Spitzen auch noch anderes anstellen, z.B. eine Schwammerlskulptur schmücken:



Schön sehen auch Spitzenhütchen und Schmuck aus.






Und man kann noch weiter gehen. Diese filzigen, einer feinen Spitze entwachsenden Finger strecken sich nach der goldenen Kugel aus, die vor ihnen schwebt. Man fragt sich unwillkürlich, was wohl passieren wird, wenn sie sie erreichen.




Vielleicht eine Symbiose: Dicke, knubbelige geklöppelte Filzstränge ...

Sie sahen irgendwie so essbar und nahrhaft aus, wie appetitlich runde Champignons oder auch Mozzarellakugeln. Na ja, wahrscheinlich hatte ich nur Hunger.



Es waren auch noch viele Erinnerungsstücke und Spitzen aus der hundertjährigen Geschichte der Klöppelschule Abenberg ausgestellt. Manche der Spitzen lägen durchaus in Reichweite meines Könnens, bilde ich mir ein.






Andere dagegen sind ungefähr so weit entfernt wie die Beteigeuze. Was für ein Kunstwerk!




Dieses Bild hat es mir besonders angetan. Es zeigt Anna Ring, die erste Leiterin der Klöppelschule in Abenberg. Sie hat ganz offensichtlich schon als Kind sehr gern und virtuos geklöppelt.




Während das Klöppeln für diese Frauen wohl eher ein hart erworbenes Zubrot ermöglichte, auch wenn sie dabei angeblich fröhlich gesungen haben sollen (das Heckerlied?).




Am Ausgang der Ausstellung dann ein veritabler Skandal - Diese tolle Harley hatten sie bei dem schönen Wetter im Haus eingesperrt.




Dabei wäre ich mit der so hammermäßig cool über Tal und Hügel geklöppelt, äh, gebügelt, wenn sie mich gelassen hätten. Da hättet ihr Augen gemacht, rund wie Tortenteller. Stattdessen habe ich mich ein Weilchen zu Herrn Wolfram von Eschenbach in seine Nische gesetzt.




Und ein bisschen Laute gespielt wurde natürlich auch.




Dann sind wir hinunter in den malerischen Ort unterhalb der Burg geschlendert. Dort gab es einen Klöppelmarkt, wo man alles kaufen konnte, was das Klöpplerherz nur begehrt. 




Ich war dieses Mal ganz besonders brav, obwohl mein Klöpplerherz natürlich alles Mögliche und Unmögliche begehrt hätte, und habe mich bloß an den alten Klöppelbriefen der Klöppelschule bedient, die gegen eine Spende abgegeben werden.




Zugegeben, nicht nur. Zwei blaue Keramikengelchen habe ich mir gegönnt. Und Sockenwolle ist mir noch in die Tasche gesprungen. Aber das war’s dann. Ehrlich! Und andere haben auch Gefallen an den alten Briefen gefunden; denn dieser Arm gehört nicht zu mir.



Vor der allergrößten Hitze bin ich zunächst in die trutzige Kirche des Ortes mit ihrem Wehrturm geflüchtet. Sie ist in Teilen noch romanisch.




Aber die Erfrischungen in der Eisdiele waren dann doch verlockender.
Auf der Rückfahrt sind wir noch im Kloster Plankstetten vorbeigefahren, um im Klosterladen ein bisschen einzukaufen. Ich habe mich wieder einmal an den Zwetschgenbrand gehalten. Nein, nicht so, brrr. Der ist für mein Väterchen zu Weihnachten. Man sollte doch Geschenke immer rechtzeitig besorgen.

miscellanea

Mittwoch, 10. April 2013

Junkies auf dem Trip

Was tut ein Handarbeitssüchtling, wenn er ohnehin kaum Zeit und die vergangenen Wochen damit verbracht hat, stundenlang Handarbeitshefte und -materialien zu sortieren? Richtig, er wirft sich ins Auto und fährt mit anderen Leidensgenossen nach Schönsee zum Klöppelkongress, um sich Nachschub und Anregungen zu holen und nimmt am besten noch einen Autoanhänger mit, um die oft sehr materiellen Anregungen, auch sicher und natürlich entsprechend zahlreich - da engros und direkt mit Kongressermäßigung auch billiger - nach Hause zu transportieren. So geschehen an diesem Samstag, ich hatte von den letzten, ziemlich schlafarmen Wochen noch Augen wie ein tibetanischer Faltenhund, aber die Sucht trieb mich zu arbeitstagsüblichen Zeiten aus den Federn und aus dem gemütlichen Heim, um meine ebenso müden Mitstreiter einzusammeln und in die Oberpfalz in das Örtchen Schönsee zu fahren. Früher gab es dort und in umliegenden Orten eine richtiggehende Klöppelindustrie und eine Klöppelschule in Tiefenbach. Auch heute noch wird die Tradition dieser schönen Handarbeit in der Region liebevoll gepflegt. Grund genug, dort einmal den Klöppelkongress abzuhalten.
Wie gesagt, Schönsee liegt in der Oberpfalz, und ich fahre gerne auf einer bestimmten Strecke dorthin, zwar ein bisschen länger, aber landschaftlich schön. Dieses Mal hatten wir jedoch ein etwas naseweises Navi dabei, das uns beharrlich zum Linksabbiegen aufforderte. Nun, wir haben es riskiert und fanden uns nach diversen Manövern auf einem Feldweg zwischen Acker und Wald wieder. 




Zum Glück arbeitete dort ein Mann im Windbruch, der uns den Weg aus der Wildnis weisen konnte, auf dem wir uns dann wieder – über Eisplatten schlitternd und zwischen metertiefen Spurrillen balancierend – auf zunächst ungeteerte, dann geteerte reguläre Straßen zurückarbeiten konnten.



In Schönsee geht es normalerweise, sagen wir mal, hm sehr geruhsam zu. Aber am Samstag war der Ort nicht wiederzuerkennen. Lauter Klöppelverrückte aus buchstäblich aller Herren Länder füllten den Ort. In allen Schaufenstern prangten die prächtigsten Klöppelspitzen. Ein Brautkleid ganz aus Spitze ...



... und ein bisserl was Sündiges für darunter, nicht zum Tragen, nur zum Ausziehen.



Aber natürlich wollten alle – und wir auch – zuerst zu den Händlern, die in einer Schule ihre Stände aufgeschlagen hatten. Und wie man sieht, sind "alle" ganz schön viele, die von dem reichen Angebot angelockt wurden.



Aber was es da auch alles zu sehen und zu kaufen gab! Na ja, entweder hatte ich es schon oder ich durfte es nicht mehr brauchen. Manchmal höre sogar ich auf das mäuseleise Quieken der Vernunft, wenigstens fast, wenn sie mich schon mal heimsucht. Aber diese bunten Garne …




… und die alten, zarten, feinen Spitzen – das rechts oben ist eine ganz normale Stecknadel:



Ihr müsst euch mal genau ansehen, wie unglaublich dünn die einzelnen Garnfäden sind. Dagegen sehen meine Arbeiten aus, wie mit Kälberstricken geklöppelt.
Man hätte sich auch einen Klöppelbrief für eine nachdenkliche Klöpplerin kaufen können. 



Warum sie aber den einen Klöppel an ihren Kopf hält, als wolle sie ein Denkarium benutzen, und warum sie das ausgerechnet in Großer Abendrobe tun muss, entzieht sich meiner Erkenntnis.Nach ausgiebigem Hin- und Hergelaufe und -geschaue und einem gemütlichen Päuschen in einem Café, in dem wir für Kaffee und Kuchen pro Person nur 2,90 Euronen berappen mussten, winkten wir dem noch fast völlig vereisten See einen Abschiedsgruß zu ...



... und machten einen Abstecher nach Oberviechtach ins Dr. Eisenbarth-Museum, wo es viel Interessantes zum Namensgeber und zur Goldgewinnung in der Gegend zu sehen gab, neben anderen Sächelchen z.B. diesen Dünnschliff. Wenn ich mich recht erinnere, ist es Olivin.



Dr. Eisenbarths Pate war ein Brauer, und zum 350. Geburtstag von Doktor und Brauerei wurde dieses Bierchen gebraut. Davon haben wir ein paar Flaschen mitgenommen, vom  Elixier aber nicht, da viel zu gesund  ...



Es gab in diesem netten Museum nochmals schöne Spitzen zu bestaunen, aber auch verspielten Nippes, wie Schneemänner mit Klöppelmützen:



Dieser Weihnachtsstern hing schief, war schwer zu fotografieren, aber man kann eines meiner Lieblingstiere erkennen, perfekt geklöppelt, ein Kamel. Das ganze Krippenbild wirkt auch von den Farben und der Aufteilung her sehr harmonisch.


Ein modernes Tischband aus einem glänzenden Garn: 


Manche hübsche Spitzen waren aber auch grausig rücksichtslos an den Stoff gezackelt. Brrr. Warum gebe ich mir so viel Mühe einen schönen Rand zu klöppeln, wenn er dann vom Zickzackstich zermanscht wird?



Als sie uns um viertel nach Sechs endlich aus dem Museum komplimentiert hatten, haben wir noch ein nettes italienisches Restaurant gefunden, "Ristorante Capri" glaube ich. Satt und zufrieden sind wir dann nach Hause getuckert. Man war ich müde, aber es war auch ein wunderschöner Ausflug.
Und wie ihr euch sicher denken könnt, habe ich letztendlich doch über die Vernunft triumphiert und mir einige, wenige, ganz kleinkleine Einkäufe gegönnt, einen Kalender mit Klöppelbriefen, ein Buch mit Anleitungen für einfache bis ausgefallene Spinnen, Brazilian Chicken, d.i. ein ganz weiches kuscheliges Nylongarn, mit dem man z.B. Schals klöppeln kann und bunte Seide, meliertes Baumwollgarn und hübsches Effektgarn. Die schwarzen Klöppel sind aus Ebenholz vom Klöppelcenter Langendorf. Die hatten sie eine Zeit lang nicht mehr. Aber wenigstens habe ich mit diesen jetzt insgesamt fünf Paare davon.



Ach ja. Wie sagte der Besitzer des Kaufhauses Köck in Schönsee schon vor Jahren so schön: „Die Klöpplerinnen, die ich kenne, müssten alle 300 Jahre alt werden“ und packte meine Einkäufe an Garn und Klöppelbriefen in eine große Tüte (Umzugskarton!). Ich befürchte, bei der Schnelligkeit, mit der ich die Hölzchen schwinge, und all dem Garn, das ich habe, muss ich mindestens 553 Jahre alt werden, um alles zu verbrauchen.

miscellanea

Montag, 28. Januar 2013

Rama dama (Folge 4) - Alte und nicht so alte Handarbeiten

Das Räumen nimmt und  nimmt kein Ende. Treppauf, treppab, immer beladen wie ein Sherpa. Alle Wege zusammengerechnet habe ich sicher schon den Mount Everest erklommen oder zumindest den Arber. Sind ja beides höchste Berge. Nicht nur, dass die vier Männer von der Umzugsfirma zwölf Stunden lang geschuftet haben, gibt es auch für uns immer noch ein letztes Regal und noch ein paar Bücher, Decken, Kissen und Bilder auszusortieren, einzupacken und wegzuräumen. Unter den Dingen, die die Umzugsleute vom großen Schrank genommen haben, bevor sie ihn abtransportierten, waren zwei flache Schachteln mit Deckchen und Sternen aus Schiffchen- und Klöppelspitze.
Der Stern ist ein Modell aus einem Buch von Burda. Den musste ich sofort ausprobieren, aber ich hatte nur ganz grobes Häkelgarn zuhause. Das Ergebnis hat deshalb nicht mehr viel mit der zarten Eleganz der Vorlage zu tun.



Der Stern ist aber gut als Demonstrationsobjekt für Kurse geeignet.
Das blaue Deckchen ist ebenfalls nach einer Vorlage von Burda entstanden. Es ist mein erster Versuch mit geteilten Bögen - Split Chains - und geteilten Ringen - Split Rings. Das war vielleicht ein Gefiesel, bis ich das konnte!



Ebenfalls ein Übungsstück ist das weiße Sechseck. Die Anleitung stammt aus einem amerikanischen Handarbeitsheft. Ich habe sie etwas abgewandelt. Dass die linke Seite auf dem Foto abgeschnitten ist, liegt diesmal nicht an meinen mangelnden fotografischen Fähigkeiten. Nein, im linken Rand prangt ein dicker, fetter Fehler. Der silberne Stern ist eines meiner Lieblingsmuster. Er stammt aus dem Buch "24 Snowflakes in Tatting" von Lene Bjorn und besteht nur aus Ringen und geteilten Ringen. Er sieht in dickem Garn gut aus, wirkt aber unvergleichlich zart, wenn er aus dünnem Spitzengarn gearbeitet ist. Diese Exemplare hat man mir aber schon alle entrupft.  


Die beiden Deckchen unten habe ich, wenn ich mich recht erinnere, vom Flohmarkt. Die Runden aus Occhispitze sind durch Häkelei verbunden. Diese Kombination von Techniken ist früher ziemlich häufig verwendet worden.




Zuguterletzt noch was Geklöppeltes, aber nicht von mir, sondern von Ebay. Ein wunderschönes Muster, perfekt gearbeitet. Wie es aussieht, war die Spitze nie festgenäht. Vielleicht sollte ich einmal ein Leinenstöffchen einsetzen.



So, die Pflicht ruft den Sherpa wieder an die Arbeit. Heute werden wir den Nanga Parbat an Bücherkisten abtragen oder vielleicht doch nur den Osser an Küchengeschirr? Ehrlich, mir würde inzwischen der Mauwurfshügel meiner Stricknadeln vollkommen genügen.

miscellanea

Mittwoch, 16. Januar 2013

Nix mit Seifeln

Ja, ja, keine Seifen in Sicht, nur eine Zwischenmeldung aus dem Chaos. Unser Umzug hat seine heißeste Phase gerade hinter sich. Vier Möbelpacker haben am Freitag zwölf Stunden lang geschuftet, um unsere Habe ins neue Domizil zu transportieren. Am Montag wurde noch das Klavier abgeholt. In unserer alten Wohnung, die uns 18 Jahre lang zu unserer vollsten Zufriedenheit behaust und behütet hat, herrscht Tristesse.



Das ist ein bisschen traurig. Aber so richtig wohnlich ist es im neuen Haus auch noch nicht. Es stehen noch einige Reparaturen an, die jedoch den Einzug nicht verhindern. Schlimmer sind die Berge von Umzugskartons, ungefähr 150 von ihnen (oder ein paar mehr), die noch alle ausgeräumt, aussortiert und aufgeräumt werden müssen. Aber auch das wird irgendwann erledigt sein. Eine Teilansicht:



Und ein paar Schrauben und Nägel müssen auch noch versorgt werden. Ikea lässt grüssen - Schränke mit vielen Türen harren der Montage.



Aber dass ihr euch nicht irrt. Das auf dem Foto ist nur die Eisenware für einen einzigen Schrank!
An der Handarbeitsfront könnte ich sogar einen Schal und ein Paar Socken als fertig vermelden, trotz der chaotischen Zustände rings um mich herum, aber Beweisfotos muss ich noch schuldig bleiben. Schal und Socken stecken gut verpackt - wie könnte es anders sein - in einer Umzugskiste.
Und tatsächlich ist beim Ausräumen auch mein lang vermisstes Klöppelgarn wieder aufgetaucht. Obwohl in der falschen Tüte, lag es doch in der richtigen Schublade. Es ist mir schleierhaft, wie ich es übersehen konnte.



Na jedenfalls steht der Fertigstellung der Spitze jetzt nichts mehr als meine mangelnde Disziplin im Weg. Außer das Garn ist ein nächstes Mal erfolgreich abgetaucht, diesmal in den Tiefen unserer Umzugskisten.
Soweit also meine kleine Zwischenmeldung. Es wird wohl noch einige Zeit dauern, bis ich wieder regulär posten kann, vor allem über interessante Dinge wie Seifen - da hätte ich schon wieder so viele Ideen - und Handarbeiten.
Zuerst müssen wir aber unsere Birke im Topf von der Dachterrasse unserer bisherigen Wohnung retten und in unserem neuen Garten auspflanzen. Das könnte sich unter Umständen eventuell etwas schwierig gestalten, denn das Bäumchen ist locker fünf Meter hoch. Aber ich werde berichten.

miscellanea
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