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Dienstag, 30. September 2014

Welches Schweinderl hätten's denn gern? (Seife Nr. 90)

Ja, welches? Auf diese Frage gibt es für mich nur eine Antwort: Jedes. Robert Lembke hätte diese gierige Haltung sicherlich zutiefst missfallen (zurzeit ist Fernseharchäologie angesagt), aber ich habe einfach zu viele, zu viele schöne, viel zu viele schöne Formen, so z.B. die geflügelten Schweinderl und die sitzenden Grunzer. Und einen Schweinchenstempel habe ich seit neuestem auch. Also das ruft doch nach einer Schmalzseife unter Verwendung aller vorhandenen Utensilien. Und diese Seife habe ich gestern produziert, nach folgendem Rezept:

250g Schmalz
300g Babassu (Martin)
250g Kokosöl
300g Olivenöl
300g Mandelöl

5-6% Überfettung
Rosa Tonerde für den schweinchenrosa Touch, ein bisschen Zucker für verstärkten Schaum, Salz für die Solelauge
Duften dürfen die Seifen gänzlich unschweinig nach Lavendel, Zitronenmyrthe und Tonka-Extrakt.

Und so sehen meine Seifenschweinderl aus:
Die Geflügelten sind ja immer so nett, sogar ein bisschen kokett, kein Wunder bei den kecken Flügelchen.


Alle Schweine fliegen hoch!

Natürlich, was sonst!

Die dicken Grunzer kommen ganz geerdet daher, fest auf die Wiese gepflanzt, behäbig, glatt und glänzend.


Am liebsten würde man ihnen doch die
Schinken tätscheln, oder nicht?

Die Schweinchen auf den Dividorseifen sind durch den Stempel entstanden, den ich für einen Stapel meiner 724000 oder so Servietten im Seifentreff eingetauscht habe. Da ich gar nicht nicht richtig stempeln kann, habe ich beim Beschweinderln ein bisschen geschwindelt und nur auf die Seife und nicht in sie gestempelt. Dafür mit Gold, damit die netten Glücksschweinchen auch richtig zur Geltung kommen, wenn auch nicht für lange: Spätestens beim dritten Händewaschen sind sie weg, Geschichte. Das Glück, das sie mitbringen sollen, bleibt hoffentlich länger.


Wer uns bekommt, hat Schwein

Und eine Seife habe ich noch anderweitig "verschönert". Aber man kann sie schon betrachten, ohne dass die Augen tränen.


Ich seh den Sternenhimmel, Sternenhimmel, oho ...

Schäumen tut das Seifchen schon vom ersten Tag an, wie bei der Fettzusammenstellung auch nicht anders zu erwarten.


He Alda, voll fett Schaum, boah ey


Typische Handbewegung: Auslöser drücken

"Machen Sie eine typische Handbewegung!" - Die immer wiederkehrende Aufforderung bei "Was bin ich?" Wahrscheinlich wäre das Seifensieden - egal, ob Hobby oder Gewerbe - genau so schwer zu erraten, wie der Hausfrauenberuf. An dem sind die Ratefüchse nämlich auch grandios gescheitert.

miscellanea


Sonntag, 28. September 2014

Ludwig wer?

Als wir jüngst in Regensburg waren, also sehr jüngst, genauer letzten Sonntag, sind wir nicht über den Strudel gefahren, sondern haben uns die Landesausstellung angesehen. Thema: Kaiser Ludwig IV. Da den guten Mann außer Historikern und einigen historisch interessierten Laien Wenige kennen, ist es schon lobenswert, dass sich einmal eine Ausstellung seiner annimmt. Immerhin war seine Regierungszeit eine unruhige und aufregende, aber das war ja bei den meisten Kaisern so. Aber dafür, dass Ludwig der Bayer von 1314-1346 als König und Kaiser regiert hat, mehr oder weniger, ist er recht unbekannt. Wenigstens ist ihm in dem Roman "Der Name der Rose", der ja in der Zeit Ludwigs spielt, die eine und andere Erwähnung zuteil geworden.
Es gibt drei Ausstellungsorte: Die Minoritenkirche, den Domkreuzgang und das Diözesanmuseum St. Ulrich.
In der Minoritenkirche werden Leben und Wirken des Kaisers, der sich während seiner 32 Jahre dauernden Regierungszeit mit den Habsburgern und den Päpsten in Avignon herumschlagen musste, ausführlich dargestellt. Dass er zum Schluss, von einem Schlaganfall oder Herzinfarkt dahingerafft, einfach tot von seinem Jagdross fiel, ist dem Besucher nicht nur verständlich, wenn er mit der Ausstellung durch ist, sondern man fragt sich sogar, wie der Mann so lange durchhalten konnte. Er war eben doch ein zäher Bayer.
In der Ausstellung durfte man nicht fotografieren, alleine schon wegen all der Originalurkunden und wahrscheinlich auch wegen des ältesten Hühnereies der Welt, das definitiv keines von Schweppermanns Eiern sein kann, da viel zu jung für den Treuen, Braven, Frommen. Keine Fotos also - schön für euch, traurig für mich.
Von der Minoritenkirche sind wir flugs zum Domkreuzgang geeilt, aber nicht ohne uns vorher ein Käffchen zu gönnen. Ja, ich weiß doch. Ich Kulturbanausin. Aber Regensburg ist meine allerallerliebste Herumschlenderstadt, mit vielen netten und netteren Cafés. Denen muss man auch Gerechtigkeit widerfahren lassen und nicht nur dem großmächtigen Herrn Kaiser.
Der Domkreuzgang in Regensburg ist an sich schon ein düsterer Ort.


Blick vom Domkreuzgang in den Garten - regendüster
St. Stephanus und Domtürme

Aber an einem regnerischen Tag fühlt man sich dort zwischen all den Grabsteinen und Marmorplatten wie in Tanz der Vampire, auch wenn sie Engelchen zeigen. Der Tod ist immer nahe.


Todesengelchen mit passendem Kissen

Und der Verfall auch.


Uralte Ewig-Licht-Laterne

Mir war wirklich manchmal so, als hätte ich kurz einen Blick auf Professor Albronsius und Alfred erhascht.
Auch das wunderbar kunstvolle Gitter neben dem Eingang zum Mortuarium macht den Ort nicht freundlicher. 


Strenge Blicke - Wehe, Du öffnest!

Zierlich geschwungenes Hindernis

Was die Konzeption dieses Ausstellungsbereichs betrifft: Nicht nur ich habe mich gefragt: Was hat das eigentlich genau mit Kaiser Ludwig IV. zu tun? Nicht, dass es nicht interessant gewesen wäre, etwas über mittelalterliche Jenseitsvorstellungen zu lernen, aber die thematische Anbindung an die Ausstellung ist zu schwach.


Die paar Schritte nach St. Ulrich über den Domhof, ...

... auf dem die Dombauhütte ihre Ersatzteile
und Restaurierungsfälle lagert, ...

... konnten wir im Sonnenschein zurücklegen.

Eher heiter ging es dann in St. Ulrich weiter. Ein Film von und mit Christoph Süß - das ist der Mann von Quer - führt die Besucher in das Regensburg zur Zeit Ludwigs des Bayern, aber auch hier bleibt der Monarch bescheiden im Hintergrund. Trotzdem ist der Film sehr vergnüglich und anschaulich. Und man lernt einiges über Regensburg und seinen Dom. Auch die zusätzlichen Ausstellungsstücke in St. Ulrich sind es wert, genau betrachtet zu werden. Natürlich durfte man auch hier nicht fotografieren. Bei manchen der kostbaren Ausstellungsstücke ist das mehr als verständlich. Da ist z.B. das berühmte Schmetterlingsreliquiar aus der Schottenkirche mit seinem ledernen Behälter. Das einmal ganz von Nahem zu sehen, war schon etwas Besonderes. Für euch kann ich nur einen Link zu den Bildern setzen. Aber es lohnt sich, ein bisschen darüber nachzulesen. Dann gab es noch ein wunderschönes mit Liebespaaren bemaltes Kästchen. Davon hätte ich gerne wenigstens eine Postkarte gehabt. Doch leider bin ich nicht fündig geworden.
In einem Fall aber habe ich das Fotografierverbot missachtet. 


Junggeblieben seit 700 Jahren

Hier ein Foto, ohne Blitz natürlich, von einem Wasserspeier, der es nie an die Mauern des Doms geschafft hat. Wahrscheinlich ist er damals einfach im Bauschlamm versunken. 1985 wurde der Stier oder Ochse wieder ausgegraben. Es ist schon bemerkenswert, wie akkurat sich die Spuren der mittelalterlichen Bearbeitung des Steins erhalten haben, keine Verwitterung hat sie verwischt. Er sieht aus, als hätte der Steinmetz gerade Beil und Meißel zur Seite gelegt, um Brotzeit zu machen. Von Nahem ist die Oberfläche der Stierskulptur rauh, aber von weiter weg sieht sie glatt, fast weich aus. Das ist wie ein handwerklicher Gruß über all die trennenden Jahrhunderte.
Weil wir schon so nahe waren, haben wir eine kleine Zwischenstation im Dom gemacht und uns nicht den berühmten lächelnden Engel, sondern zwei kleine Figürchen in den Nischen rechts und links des Hauptportals angesehen: Den Teufel und seine Großmutter. 


Gibt es ...

... auch für mich ...

... und meinesgleichen ...

... eine Chance?

Ganz winzig - zu dem im Vergleich zu ihnen riesigen Innenraum der Kathedrale - quetschen sie sich an die Wand. Aber auch sie, sinnbildlich für alle Dämonen, finden letztlich ein Plätzchen im Himmelreich, das das Kircheninnere symbolisiert. Ich finde, dieser Gedanke hat etwas Versöhnliches, Freundliches. Eine Haltung, die wir Heutigen dem Mittelalter nicht gerne zugestehen.
Nachdem wir unseren Wissensdurst gestillt hatten, sind wir noch ein bisschen durch die sonntäglich entspannte Stadt gebummelt. Auch davon habe ich noch ein paar Fotos mitgebracht.


Kramgasse ...

... und Tandlergasse ...

... machen ihrem Namen alle Ehre.
Das Schönste daran? Es steht nicht bei mir zuhause!

Und das Kästchen mit der Klöpplerin? Schaut auf den Preis!

Obwohl Regensburg mittlerweile in Teilen sehr touristisch glattgehobelt und geliftet ist, findet man immer wieder ganz besondere Eckchen, die fast trotzig auf ihre Eigenheiten beharren, z.B. dieses Tor in der Schwarzen Bärenstraße.


Ein hübsches Portal. Von 1904?

Hochnäsige Herren oben, Vogelnester unten.

Frosch, Fliege beäugend.

Und sie hat die Vögel fest im Blick.

Aufmerksam seit ca. 110 Jahren.
Das nennt man Geduld.

Abschließend haben wir uns noch ein leckeres Essen einverleibt und sind nach Hause gefahren.
Trotz des ganzen Rummels um die Erhebung zum Weltkulturerbe bleibt Regensburg etwas Besonderes. Ein Besucher aus Amerika hat mich einmal ganz ungläubig in Bezug auf die historische Echtheit der Stadt gefragt: "Is it a fake or is it original?" - Eine Frage, die ich noch immer aus vollem Herzen mit "Alles echt!" beantworten würde. Und ich würde nur ein ganz klein bisschen schwindeln damit. Wollen wir hoffen, dass das so bleibt, Regensburg. Streng Dich an!

miscellanea

Montag, 22. September 2014

Hubba Hubba Zoot Zoot - Bananas (Seife Nr. 89)

Wer kann sich daran noch erinnern? Als Titelmelodie der Sendung Bananas diente eine Coverversion dieses Songs der schwedischen Band Caramba. Was habe ich mir damals den Kopf zerbrochen, um zu verstehen, was die da eigentlich singen! Dabei ist der Originaltext in einer Nonsense-Sprache abgefasst und der mit deutschen Wortfetzen angereicherte Text aus der Serie Bananas ist auch nicht viel verständlicher (Sprachgenie!). Worum es in der Sendung genau ging, wusste ich auch nicht mehr so genau, bis mich das Netz aufgeklärt hat, aber der Song ist mir all die Jahre in Erinnerung geblieben - Versagen schmerzt eben. Auch nach einem halben Leben.
Am 17. September habe ich ein nettes OHP-Bananenseifchen produziert und - schwuppdiwupp - am Freitag ging beim Schneiden und Stempeln eine verstaubte Schublade in meinem noch etwas angestaubteren Hirn auf und heraus kam dieser alte Reggae. Also heisst die Seife jetzt einfach Bananas, wie die Sendung aus der mittleren Fernsehsteinzeit, und ich habe mir einen Ohrwurm eingehandelt, einen ganz besonders zähen. Alles dank You Tube.

In der Seife sind folgende Zutaten:
400g Babassuöl (Martin)
460g Olivenöl (schön dick und grün)
3 Esslöffel Rahmquark, ordentlich gehäuft
1 Banane (ganz fein mit dem erwärmten Quark gemixert)
Und als Duft: African Tea

Die Seifen sind zwar ca. 10 cm hoch und hätten ausreichend Platz geboten, aber ich habe statt Hubba Hubba Zoot Zoot lieber doch nur Bananas auf die Seifen gestempelt. 




Die Faulheit hat gesiegt. Obwohl - so ganz richtig ist das auch nicht. Ich habe mir immerhin die Mühe gemacht, aus Fimo einen kleinen Bananenstempel zu schnitzelieren. 



Die Seife ist noch recht weich, hat eben ein Herz aus Banane und Quark. 



Aber das wird schon. Jetzt darf sie erst einmal trocknen, reifen und sich verziehen, damit sie schön rustikal aussieht.



Und ich bananas bananas gehe jetzt hubba hubba in mein zoot zoot Bett. Sch*** Song!

miscellanea

Sonntag, 31. August 2014

Hotzenplotz, Herr Wolfram und eine kleine Stadt

Mit ein bisschen Hirnverrenkung habt ihr wahrscheinlich schon erraten, wo ich in den letzten Tagen unter anderem gewesen bin. Genau. In Wolframs-Eschenbach.
Wir hatten wieder unsere jährliche Auszeit im Ansbacher Land, prall gefüllt mit Croquetturnier und Schafkopfen (beides solltest du übers Jahr etwas üben, hm), Ratschen und was das Leben sonst noch angenehm macht. Wir hatten trotz schlechter Wetterprognosen nicht wirklich viel Regen, und das Wenige hat nicht sehr gestört.


Im Gegenteil: Die Äpfel sehen im Tropfenkleid noch sehr viel appetitlicher aus als im Sonnenschein. Der Garten, er ist auch dieses Jahr wieder so voller Früchte!
Auf dem Heimweg vom Ferienhaus habe ich dann eben im Städtchen Wolframs-Eschenbach Station gemacht. Ich wollte schon dorthin, seit ich das erste Mal den Film Der Räuber Hotzenplotz mit dem unvergessenen Gert Fröbe in der Hauptrolle und Josef Meinrad als grinsend-bösartigem Zauberer Petrosilius Zwackelmann gesehen habe. Manche Kindheitserinnerungen sterben eben nie. Und die Außenaufnahmen des Films wurden in Wolframs-Eschenbach gedreht.
Gleich vorweg. Getroffen habe ich niemanden. Weder den Kasperl, noch den Seppel, noch die Großmutter. Auch Wachtmeister Dimpfelmoser und der Räuber Hotzenplotz glänzten durch Abwesenheit. Und den Zwackelmann, den hat ja schon der ... geholt. Also auch hier kein Glück.
Trotzdem war es ein netter Ausflug. Gleich am Oberen Torturm wird man sehr freundlich begrüßt, natürlich immer mit dem Hinweis auf den großen Sohn der Stadt, den Dichter Wolfram von Eschenbach


Alte, ganz ausgetretene Treppen führen auf die Stadtmauer. Wie viele kalte Nächte die Stadtwächter hier wohl verbracht haben?


Hinter der Mauer, ein bisschen geheimnisvoll, ein Obstgarten. 




Wer genauer hinschaut, kann auch die ruhende Taube auf dem Pfosten sitzen sehen. 


Überhaupt gibt es eine ganze Kette von Gärten an und auf den Stadtbefestigungen, die noch die gesamte Stadt umrunden.




Und auch innerhalb der Stadt herrscht kein Mangel an lauschigen Gärten. Könnte in diesem Häuschen nicht die Großmutter mit ihrer musizierenden Kaffeemühle wohnen?


Wie überhaupt das Städtchen den Eindruck vermittelt, als könnten die Protagonisten des Films jederzeit um die Ecke lugen.



Vermutlich wohnt am Ende dieser Turmtreppe tatsächlich jemand. Wie romantisch. Und ist dieses Häuschen nicht viel zu winzig für ein Straßenschild Hauptstraße


Wie üblich habe ich es nicht geschafft, so hoch aufragende Fachwerkhäuser - wie diese am oberen Teil der Hauptstraße - ganz auf ein Foto zu bannen.



Also beschränkt man sich eben auf die Türen, besser Portale. Denn das Städtchen hat davon eine ganze Reihe recht hübscher. 




Und eine ganze Menge schützender Madonnen in und an den Hauswänden und -ecken obendrein. 



So im Ganzen ist die Stadt eine sehr kleine, und deshalb hat es wohl auch nur zu einem klitzekleinen Deutschordensschlößchen gereicht. Es ist wirklich mikrös, im Vergleich zu seinen Gegenstücken in anderen Städten. Und es steht dazu. Aber immerhin war gleich zweimal ein Kaiser zu Besuch. 


Und das kleine Deutschordenshaus passt hervorragend in diese nette Stadt. Leider habe ich das Foto der hübschen Renaissancefassade verwackelt.
Am Unteren Torturm werden die Fachwerkhäuschen fotokompatibel klein. 


Das war wohl im Mittelalter nicht die beste Gegend der Stadt.
Der Münsterturm mit seiner hübschen Spitze aus glasierten Ziegeln aus dem 15. Jahrhundert wird zur Zeit restauriert. Hoch ragt er hinter der Zehntscheune auf.


Das Tor zur Kirche bewacht ein Türgriff in Form eines grimmigen Löwen. Grrrr. Und trotzdem muss er jedem Besucher gehorsam die Türe öffnen. Was für ein hartes Schicksal für den stolzen König der Tiere: Von niemandem gefürchtet zu werden.


Wegen der Restaurierungsmaßnahmen kann man dem sonst so entrückten Turmhahn jetzt in der Kirche direkt ins wachsame Auge blicken. Auch der stolze Gockelschwanz ist wieder angeschweißt.


Die Kirche selbst ist eine gotische Hallenkirche, unaufdringlich nüchtern, mit einem schönen Licht ...


... und geschnitzten Seitenaltären, vor denen handgearbeitete Filetspitzen hängen. Was für eine gleichmäßige Arbeit!



Besonders angetan hat es mir der rechte Seitenaltar mit der Kreuzauffindung und den Vierzehn Nothelfern.


Die Kaiserin Helena schaut alles andere als fromm in die Welt. Sie trägt einen ziemlich blasierten Gesichtsausdruck zur Schau. Und der gestutzte Geck neben ihr im kurzen Rock mit geschlitzten Ärmeln und mit seinen spitzen Schnabelschuhen sieht aus, als würde er der Kaiserin beim Tragen ihres Kleides behilflich sein. Dabei deutet er, oh so fromm, auf das wiedergefundene Kreuz. Der einzige, der wenigstens ein "amtliches" Gesicht macht und mit Interesse in Richtung der Reliquie blickt, ist der Bischof Makarios von Jerusalem. Aber von ihm darf man das wohl erwarten.
Ich mag den Detailreichtum dieser alten Kunstwerke - zu erforschen, wie die Figuren interagieren, alle die Fragen und Geschichten, die sich auftun, und den Einblick in den Alltag der Leute, wie sie sich kleideten, wie sie arbeiteten. Man könnte doch glatt ihre Kleider und Schuhe anhand dieser Schnitzerei nacharbeiten.
Die Vierzehn Nothelfer in der Predella des Altars waren auch einen zweiten Blick wert. Wenn ich nicht wüsste, dass der Drache der Hl. Margarete das überwundene Böse darstellen soll, würde ich den einfach nur putzelig und niedlich finden. Und wie er sie anhimmelt! Sie dagegen. Wahrscheinlich ist es den Guten Helfern über all die Jahrhunderte einfach schrecklich fad in ihrem Rahmen geworden. Alle vierzehn verströmen einen solchen Überdruss, dass man gar nicht wagen würde, sie durch ein Bittgebet zu stören. Was der Künstler sich wohl dabei gedacht hat?


Nicht einmal der Hl. Georg findet es noch aufregend, dass er den bösen Drachen erlegt hat. Der Hl. Eustachius und sein Hirsch scheinen gleich einzuschlafen.


Und vielleicht hat der Künstler sich verzählt. Denn es sieht so aus, als ob er den Hl. Christophorus zuerst vergessen und ihn zum Schluss neben einen Heiligen zwischen die Hl. Katharina und den Hl. Erasmus gequetscht hätte. Jedenfalls bricht der drängelnde Christusträger die dröge Reihe von Heiligen auf, die nicht einmal mehr durch die Erinnerung an erlittene Martern aus ihrem Stumpfsinn erweckt werden. Immerhin hat Katharina das Rädern überlebt, weil das Folterinstrument zerbrach, und wurde dann enthauptet. Erasmus überlebte der Legende nach das Ausdärmen mit einer Winde und die hält er auch auf diesem Bild in der Hand, den aufgewickelten Darm eingeschlossen. Ist das nicht gruselig?
Warum reicht es nie, fromm und gerecht zu leben? Warum enden diese Heiligenlegenden immer in einem Blutbad?


Genug gegruselt. Zum Abschluss meines Besuchs in der Stadt Wolframs hätte ich ihn auch noch im Museum besucht. Es war aber geschlossen.



So habe ich mich auf die Bank gesetzt und auf ihn gewartet. Aber auch Herr Wolfram ist nicht gekommen, ebensowenig wie der Kasperl oder die Fee Amaryllis.



Welch eine Enttäuschung!. Dabei hat er so einen kessen Hüftschwung und trägt so extravagante Sporen. Und man hätte sich mit ihm sicher auch über andere Dinge als Kämpfen und Saufen unterhalten können.


Na was soll's. Da bin ich eben weitergefahren und habe den Friesenfan und seinen Friesen nebst Anhang besucht. Es war ein schöner und lustiger Nachmittag mit leckerem Zwetschgenkuchen und netter Unterhaltung. Ich habe es aber trotzdem geschafft, mich auf den Nachhauseweg zu machen, bevor ich rausgeschmissen wurde. Ich will ja schließlich wieder mal vorbeikommen.

miscellanea
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