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Montag, 29. August 2011

Im Moos nichts los? - Von wegen!

Oder wie wir gestern im tellerflachen Donaumoos Abenteuer en masse erlebten: Wilde Tiere, schroffe Gipfel, verlassene Häuser und in der Natur gesammelte Kräuter.
Das Haus im Moos ist ein kleines Freilichtmuseum in der Nähe von Karlshuld bei Neuburg an der Donau, das der Besiedelungsgeschichte des Donaumooses gewidmet ist:


Gleich zu Anfang des Rundgangs gibt es eine kleine Gruppe von schön eingewachsenen Teichen, die voller Frösche sind. Man sieht die Hüpfer nicht oder kaum, nur wenn man ihnen zu nahe kommt, platschen sie von allen Seiten ins Wasser. Dieser besonders fette allerdings war mutig oder eitel genug sich von mir ablichten zu lassen. Vielleicht hat er sich auch nur überlegt, wie lange er nicht mehr auf Fliegenjagd gehen müsste, wenn ... Groß genug war er ja.


Habe ich schon erwähnt, dass das Donaumoos, das ja vor der Trockenlegung und Kolonisation Ende des 18. Jahrhunderts ein Niedermoor gewesen ist, so flach ist, wie eine Scheibe Edamer? Falls nicht, sei es hier nochmals bemerkt. Dieses Foto zeigt den Aussichtsberg des Museums. Wie unschwer zu erkennen, war der Anstieg mühsam und nicht ohne Kletterausrüstung zu bewerkstelligen:


Damit die imposante Größe der höchsten Erhebung in 15km Umkreis auch bestens zur Geltung kommt, hier noch eine Aufnahme im Hochformat. Wenn das keine Klettertour war!


Von oben aus konnte man dann bis Belgien sehen oder zumindest eine Landschaft, die stark daran erinnert. Den sechs Stufen langen und steilen Wiederabstieg ins Flachland haben wir tatsächlich ohne Bergführer bewältigt. Das macht mich stolz. 


Dieser  typische Hof aus dem Donaumoos, erbaut Anfang des 20. Jahrhunderts, ist eines von vier Museumshäusern, die die Bauweise in dieser - übrigens sehr flachen - Gegend und die frühere Lebensweise der Bewohner dokumentieren:


Von außen sieht das Haus ja ganz idyllisch aus, aber manche Exponate sind sehr entlarvend, z.B. dieses Nachthemd. Obwohl offensichtlich sehr, sehr oft gewaschen, ist das Leinen nicht weiß geworden, wie das bei gutem Leinen meist der Fall ist. Es ist noch immer graubraun, als wäre es neu gewebt. Das war sicher hart und kratzig beim Schlafen. Aber die Häkelborte ist interessant und auch die gestickten Buchstaben. Das U ist viel kleiner als das S. Das ist unüblich. Vielleicht hat das rote Garn nicht mehr gereicht.


Im Hausflur sind viele Schichten von alter Bemalung freigelegt worden. Diese Entenbordüre ist doch etwas ganz Besonderes und zeigt, wie liebevoll und auch stolz die Bewohner ihre Häuser eingerichtet haben, trotz der kargen Lebensweise:


Auch dieses putzige kleine Häuschen erzählt eigentlich eine Geschichte von bedrückender Armut. Die ärmsten Bewohner des Donaumooses, oft Korbmacher, konnten sich nur einen Streifen des Landes leisten, das zwischen der Straße und dem parallel laufenden Entwässerungskanal lag. Da bauten sie Häuschen wie dieses Kanalhaus, dessen beide Zimmer je ca. 3m im Quadrat messen. Darin hausten dann vielköpfige Familien den ganzen Winter über, bevor sie sich im Sommer mit ihren Korbwaren und einem Handwagen wieder auf den Weg zu den Bauern machten.


Die Landschaft ist aber (obwohl flach?) reizvoll: Überall Wasser, Birken, raschelndes Schilf und Ruhe, eine stille Landschaft. Wir können sie heute genießen, weil wir mit dem kargen Boden nicht, wie die Leute früher, um jeden Getreidehalm kämpfen müssen.


Von den imposanten Wisenten, die im Dienste der Wissenschaft einen Teil der Museumswiesen beweiden, habe ich leider kein Foto. Sie waren zu weit weg. Und ein Bild mit einem Wisent in Ameisengröße, na, ich weiß nicht. Ich habe lieber unsere Ausbeute an Mädesüß fotografiert, mit Filter aufgehübschelt (Ja, das ist ganz große Kunst!). Am Abend haben wir die etwa 25 Blütendolden mit einer Zitrone und dreieinhalb Litern Wasser angesetzt. Heute ist daraus schon Sirup geworden, mit 500g Zucker, 5-10g Zitronensäure gekocht und noch heiß in Flaschen gefüllt.


Hm. Wolken oder Rauchzeichen? Sollten wir in der bayerischen Prairie tatsächlich noch ein Abenteuer versäumt haben? 


Das müssen wir wohl beim nächsten Besuch im Moos herausfinden.

miscellanea

Kommentare:

  1. Naja, ich will Dich alte Botanikerin und Biologiestudentin ja nur ungern verbessern, aber handelt es sich bei Deinem "Frosch" hier nicht viel eher um ein Exemplar von Bufo bufo, der Erdkröte ? *rumgschaftl, besserwiss* ;-)

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  2. Das habe ich zuerst auch gedacht. *Oberlehrer ein* Aber er hat zu lange Beine, mit Querbänderung, ausgeprägte Rückenleisten rechts und links und der helle Streifen über der Pupille ist anders als bei Bufo. Ich denke, es könnte ein Grasfrosch sein. Das Biotop würde auch passen. *Oberlehrer aus*
    Jedenfalls hatte das Teil so ein gefääährliches Leuchten im Auge. Ich sage Dir, wir sind knapp entkommen. ;-)))

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Ich freue mich über euere Kommentare. Danke, dass ihr euch die Zeit dafür nehmt :-)))

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